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Firaz

So lautet der Arbeitstitel eines Romans über einen syryischen Flüchtling in Deutschland. Der Protagonist ist ein Chirurg aus Afrin, der nach einem Bombenangriff nach Saarbrücken flüchtet, aber dort nie so richtig ankommt.

 

Den Prolog kannst du hier lesen:

Syrien, März 2018

Der Knall war ohrenbetäubend. Er wurde durch die Explosion vom OP-Tisch weg nach hinten geschleudert und fand sich neben der Tür auf dem Fußboden liegend wieder. Dann war es verdächtig ruhig, kein Gerät lief mehr, kein Strom, kein Licht. Er tastete sich ab, aber bis auf Prellungen, Schürf- und Schnittwunden war wohl alles okay. Es schien nichts gebrochen zu sein. Wo waren die anderen? Auf allen vieren bewegte er sich vorsichtig zu einem Schrank, dessen Tür halb in den Angeln hing. Er wusste, dass sie hier vor ein paar Tagen für Notfälle eine Taschenlampe hingelegt hatten, weil der Strom immer wieder ausfiel. Normalerweise sprang dann das Notstromaggregat an, aber der Diesel wurde knapp, und jetzt war sowieso alles zerstört. Dr. Firaz Ozan fand die Lampe und schaltete sie ein. Alles war voller Staub, seine zwei Kollegen, ein Assistenzarzt und der Narkosearzt, lagen blutüberströmt auf der anderen Seite des OP-Tischs inmitten von Betonbrocken. Er kroch hinüber, um nach ihnen zu sehen. Als er keinen intakten Körperteil fand, um den Puls zu kontrollieren, gab er auf. Neben ihm knallte ein weiteres Teil der zerborstenen Decke auf den Boden. Er musste hier raus. Seinen Kollegen war mit Sicherheit nicht mehr zu helfen und dem Patienten, er hatte einen schlimmen Verkehrsunfall knapp überlebt, hatte die Explosion sichtbar den Rest gegeben. Eine der schweren OP-Lampen war herabgestürzt und hatte seinen Kopf zerschmettert. Weitere Detonationen erschütterten das Gebäude. Durch Staub und Schutt kämpfte er sich zusammen mit anderen Überlebenden auf die Straße. Er konnte kaum hören, ihm war schwindelig und übel. Sein Zuhause war die einzig übriggebliebene Wohnung im Erdgeschoss eines ansonsten zerstörten Hauses gegenüber dem Fußballstadion von Afrin. Vom Hospital war es nicht weit. Keiner der panisch hin- und herlaufenden Passanten sprach ihn unterwegs an, wahrscheinlich war sein Gesicht so verschmiert von Schmutz und Blut, dass ihn niemand erkannte. Das Wasser funktionierte schon seit einigen Tagen nicht mehr, aber er hatte am Morgen einen Kanister an der öffentlichen Zapfstelle gefüllt. So konnte er sich etwas waschen und leidlich seine Wunden versorgen, Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel hatte er genug. In der rechten Wange hatte er eine Schnittwunde. Es dauerte etwas länger, bis er sie mit zusammengebissenen Zähnen genäht hatte, die Blutung gestillt und die Wunde mit einem Pflaster versorgt war. Die Schürfwunden an den Armen desinfizierte und verband er. Prellungen fand er am ganzen Körper. Schmerzen hatte er aktuell keine, aber er wusste, dass sie unweigerlich kommen würden, wenn die Schockwirkung nachließ. Firaz zog sich saubere Kleidung an, legte sich auf die Couch, die auch sein Bett war, und bemühte sich, tief und gleichmäßig zu atmen. Während er ruhiger wurde, gewann ein Gedanke immer mehr Gewicht: Es war jetzt endgültig soweit. Lange genug hatte er sich dagegen gewehrt, aus diesem gottverdammten Schlamassel zu verschwinden, er war geblieben, um im Hospital denen zu helfen, denen es noch dreckiger ging als ihm selbst. Aber jetzt war Schluss. Nachdem seine Frau und seine einjährige Tochter vor anderthalb Jahren mit der gesamten Familie bei einem Bombenangriff in Aleppo umgekommen waren, kam er sich wie ein Zombie vor. Es hatte ihn nur deshalb nicht erwischt, weil er wegen einer dringenden Operation im Al Daqaq Hospital, in dem er damals gearbeitet hatte, verspätet zum gemeinsamen Abendessen erschien. Aber eigentlich war auch sein eigenes Leben zerstört, als er vor den Trümmern seines Elternhauses stand und man ihm mitteilte, dass niemand überlebt hatte. Einen Tag später erwischte es auch das Al Daqaq Hospital, wieder kam Firaz mit dem Schrecken davon. Er zog nach Afrin und arbeitete dort in dem einzigen noch funktionierenden Krankenhaus Tag und Nacht bis zur Erschöpfung. Seine politischen Ambitionen hatte er begraben, es ging von Tag zu Tag mehr um das nackte Überleben seiner Patienten. Jetzt war das Hospital zerstört, er konnte nicht mehr anders, als sich endlich ausschließlich um sich selbst zu kümmern. In Aʿzāz, 20 Kilometer nordöstlich von Afrin, hatte er einen Bekannten, der mit der Zeit zu einem väterlichen Freund geworden war. Gibran war ein älterer Herr, der als Arzt und ehemaliger Kollege im Krankenhaus von Afrin gearbeitet hatte, bis er an seinem 75. Lebensjahr feststellte, dass es jetzt genug sei. Firaz hatte ihn danach regelmäßig in Aʿzāz besucht. Gibran hatte ihm nach dem Aleppo-Desaster wieder etwas Leben eingehaucht und ihm dringend zur Flucht geraten, er sei schließlich noch jung, das Leben liege noch vor ihm, leider nicht hier, aber es gebe noch andere schöne Länder. Eigentlich stünde ihm fast die ganze Welt offen. Trotz des völlig überzogenen Optimismus von Gibran verfehlten seine Anstrengungen nicht ihre Wirkung. Bei Firaz' letztem Besuch hatten sie zusammen seinen Fluchtplan besprochen und stellten einen alten geländegängigen Toyota Pick-Up mit zusätzlichen Benzinkanistern, einem Wasserkanister und einem warmen Schlafsack in dem halb verfallenen Schuppen neben Gibrans Haus ab. Gibran hatte alles besorgt. Es sollte Firaz' Fluchtauto werden. Leise stöhnend erhob er sich von seiner Couch, er war wohl kurz eingenickt. Der Schwindel und die Übelkeit hatten abgenommen, aber er hatte den Eindruck, immer noch halb taub zu sein. Der Rucksack mit allem Nötigsten war gepackt. Er ergänzte den Inhalt um Verbandsmaterial und Schmerzmittel, wartete die Dunkelheit ab, zog seine dicke Jacke mit den eingenähten Dollarvorräten über und fuhr dann mit einem Fahrrad, das er nebenan in einem Keller versteckt hatte, über unbefestigte Wege zehn Kilometer nach Maryamayn und von dort aus noch einmal fünfzehn Kilometer weiter nach Aʿzāz. Es war bewölkt und stockdunkel. Firaz fuhr trotzdem ohne Licht. Das erschwerte die Fahrt, und zweimal wäre er beinahe gestürzt. Aber die türkische Armee hatte den Ring um Afrin schon ziemlich weit zugezogen, und er war sicher, dass er wegen seiner vergangenen politischen Aktivitäten auf ihrer schwarzen Liste stand. Wenn sie ihn aufgriffen, würde er in einem türkischen Gefängnis landen und als Terrorist behandelt werden. Mit dem syrischen Staat war es dummerweise das Gleiche. Wenn er Assads Truppen in die Hände fiele, drohte ihm ein ähnliches Schicksal. Deshalb war es sein Plan, über das Kurdengebiet in Nordostsyrien und dem Nordirak zuerst nach Erbil zu fahren und dann vielleicht weiter nach Bagdad. Von Bagdad aus war Vieles möglich, vor allem, wenn man Geld hatte. Ein Ziel hatte er schon ausgeguckt. Mitten in der Nacht kam er in Aʿzāz an und hoffte inständig, dass das Haus seines Freundes noch stehen würde. Er schob sein Fahrrad durch die dunklen und menschenleeren Straßen zwischen den Ruinen. Die Schmerzen kamen, und seine Hoffnung verschwand. Es waren nur noch sehr wenige Häuser intakt, und als er ankam, sah er, dass Gibrans Haus nicht dazugehörte. In dem, was einmal sein Haus gewesen war, konnte mit Sicherheit niemand mehr leben. Firaz sank förmlich in sich zusammen. Er ließ das Fahrrad umfallen und gab der plötzlich hochwallenden Trauer nach. Auf dem Boden kniend, weinte er mit geschlossenen Augen lautlos vor sich hin. Er fühlte sich völlig hoffnungslos und allein. Er fragte sich nicht, was er jetzt tun oder wo er jetzt hin sollte. Er löste sich vom Hier und Jetzt. Er zerfloss förmlich in seiner einsamen Trauer. Die zunehmende Kälte ließ ihn die verweinten Augen öffnen, durch einen Schlitz in den Wolken schien ein Streifen Mondlicht und er sah den Schuppen neben den Resten von Gibrans Haus. Zuerst erstarrte er bei diesem Anblick, dann schoss sein Puls hoch, er rappelte sich auf, ließ das Fahrrad liegen, überquerte die Straße und trat auf den Schuppen zu. Gegenüber seinem letzten Besuch hatte sich hier nichts verändert. Anscheinend hatten die Angreifer das halb verfallende Gebäude nicht ernst genommen. Aber der Eindruck hatte sie getäuscht. Der hintere Teil war noch stabil. Dort war der alte Toyota-Landcruiser abgestellt, und dort gab es auch ein uraltes Holztor mit einem Schloss. Er umrundete den Schuppen, zog einen kleinen Stein aus dem Mauerschlitz rechts vom Türsturz, fand den Schlüssel und sperrte das Tor auf. Der Wagen stand unversehrt da und schien auf ihn zu warten. An das, was dann in dieser Nacht noch passierte, konnte er sich später kaum erinnern. Er hatte wie in Trance den Autoschlüssel aus der alten leeren Farbdose auf dem obersten Regal genommen, den Rucksack auf den Beifahrersitz gelegt und war eingestiegen. Der Motor sprang sofort an, und er verließ den Schuppen, ohne sich auch nur einmal umzudrehen. Wieder fuhr er ohne Licht. Die Wolken waren inzwischen verschwunden, und die Nacht war nicht mehr völlig schwarz, so dass er sich leidlich orientieren konnte. Trotzdem kam er nur langsam voran. Er fuhr nach Osten, meistens auf Feldwegen, manchmal auch durch das Gelände. Kleinere Straßen nahm er, wenn es anders nicht ging, große Durchgangsstraßen waren tabu. Für die grundsätzliche Fahrtrichtung richtete er sich nach dem Kompass des Toyota, den er ab und zu erkennen konnte. Er wusste nicht, wie weit das türkische Militär vorgedrungen war. Wenn er es bis nach Manbidsch schaffen würde, wäre er aber vorläufig in Sicherheit. Das waren auf der direkten Route ungefähr 100 Kilometer. Wenn sie ihn kriegten und seine Dollars fänden, wäre er ein toter Mann, so einfach war das. Oft hielt er an, schaltete den Motor aus, horchte in die Nacht und suchte nach Lichtern. Einige Kontrollposten entdeckte er so und umfuhr sie. Einmal kam ihm ein beleuchtetes Fahrzeug auf einer kleineren Straße entgegen. Er fuhr so weit wie es ging rechts ins Gelände und schaltete den Motor aus. Es war ein türkischer Militärjeep, aber er fuhr vorbei. Sie hatten ihn nicht gesehen. Später in der Nacht wurden die Schmerzen heftiger, und er war froh, die Medikamente mitgenommen zu haben. Andererseits hielten ihn die Schmerzen wach. Also ließ er die Medikamente erst einmal stecken. Als er die breite Straße in Nord-Süd-Richtung erreichte, wusste er, das er die Hälfte geschafft hatte. Es war die Verbindung zwischen Ar Ra'i im Norden an der Grenze zur Türkei und al-Bab im Süden. Jetzt wollte er in südöstlicher Richtung weiterfahren und dabei genauso vorsichtig sein wie bisher. Wenn er dann die M4 erreichen würde, müsste eigentlich die größte Gefahr vorüber sein, und sie würde ihn nach Manbidsch führen. Manbidsch war unter kurdischer Kontrolle. So wie er die Lage einschätzte, gäbe es auf der M4 vielleicht kurdische oder US-amerikanische Kontrollposten. Denen würde er ein Schreiben vorzeigen, mit dem das Salamati-Hospital in Erbil ihn aufforderte, seinen Dienst umgehend anzutreten. Sein Onkel aus Erbil hatte ihm das Schriftstück besorgt. Das Datum hatte er selbst dazu gefügt. Firaz versuchte erneut, sich auf seinen Weg zu konzentrieren. Die Schmerzen wurden stärker. Als sie zu schlimm wurden, nahm er ein paar Tabletten mit einem Schluck aus seiner Wasserflasche. Die Schmerzen nahmen ab, aber er wurde müde. Als es nicht mehr ging, fuhr er ins Gelände, suchte sich eine Senke, in der der Toyota von dem Feldweg aus, auf dem er sich gerade bewegt hatte, nicht zu sehen wäre und schloss die Augen. Er blieb einfach sitzen und ließ den Schlafsack bewusst liegen. Die zunehmende Kälte würde ihn bald wecken, und er wollte die M4 vor dem Tagesanbruch erreichen. So kam es auch. Als er nach zwanzig Minuten wieder die Augen öffnete, fröstelte er. Es dauerte einige Sekunden, bis er sich orientiert hatte. Nach einem Schluck aus der Wasserflasche und einem Blick auf die Uhr startete er den Motor und fuhr vorsichtig aus der Senke zurück auf den Feldweg. Wenig später konnte er von einer kleinen Anhöhe die nahe M4 einsehen. Spontan entschied er, nicht die Schnellstraße zu benutzen, sondern die parallel dazu verlaufende alte Straße. Sie war schmaler und nicht besonders gut in Schuss, aber es gab mehr Möglichkeiten, kurzfristig abzubiegen. Er beobachtete die Straße. Es war nicht viel Verkehr um diese Uhrzeit, viertel vor sechs, die Morgendämmerung hatte gerade begonnen. Alles schien halbwegs ruhig zu sein, aber er wartete trotzdem ab, bis kein anderes Fahrzeug zu sehen war. Dann verließ er den Pfad, auf dem er gerade unterwegs war, und holperte direkt durch das Gelände auf die Parallelstraße zur M4. Kurze Zeit später fuhr er durch Arima, er erkannte es von einer früheren Reise, nach einer halben Stunde erreichte er die ersten Häuser von Manbidsch und kurze Zeit später stand er vor seinem heutigen Ziel und war erleichtert. Er wusste, dass das Manbidsch City Hotel wieder aufgebaut werden sollte und hatte gehofft, dass es schon wieder in Betrieb wäre. Der „IS“ hatte die Stadt 2014 eingenommen, und als die „Demokratischen Kräfte Syriens“, die zum größten Teil aus Kämpfern der kurdischen „YPG“, den „Volksverteidigungseinheiten“, bestanden, die Stadt 2016 zurückeroberten, war das Gebäude stark beschädigt gewesen. Jetzt sah es zwischen den anderen noch immer zerstörten Gebäuden und den Schutthaufen auf der Straße schon wieder ganz manierlich aus, er sah Lichter, es schien geöffnet zu haben. Die Rezeption war trotz der frühen Stunde besetzt. Der Mann hinter dem Tresen schaute ihn an wie ein Gespenst, schmutzig und verpflastert wie er war. Auf die Frage, wo er herkäme, nannte er Afrin. Der Mann glaubte ihm nicht. Firaz zuckte mit den Schultern. Es war ihm egal. Er war einfach völlig erschöpft. Als Firaz fünfzig Dollar hinlegte, gab ihm der Mann ohne weitere Fragen einen Zimmerschlüssel. Firaz nahm seinen Rucksack, schleppte sich in den ersten Stock und schloss die Tür zu seinem Zimmer auf. Es gab ein sauberes Bett und sogar eine Dusche. Obwohl er eigentlich nur schlafen wollte, ging er zuerst unter die Dusche und verpflasterte sich anschließend neu. Dann war es soweit. Noch feucht kroch er ins Bett und schlief sofort ein. Als er das erste Mal aufwachte, wurde es schon wieder dunkel, es war Abend. Er hatte Hunger, also zog er sich an und ging hinunter, um eine Kleinigkeit zu essen. Er fragte nach einer offenen Tankstelle, fand sie nach einigem Suchen und tankte den Toyota voll. Bald war er zurück auf seinem Zimmer und legte sich wieder ins Bett. Obwohl er sich immer noch sehr müde und zerschlagen fühlte, konnte er nicht noch einmal einschlafen. Die vergangenen Erlebnisse kamen mit Wucht zurück und auch die Schmerzen wurden wieder stärker. Zusätzlich kam ihm die Erkenntnis, dass er Aʿzāz ohne einen Gedanken an den Verbleib von Gibran verlassen hatte. Aber was hätte er tun sollen? Er weinte zuerst heftig, dann wimmerte er nur noch, unterbrochen von lautem Stöhnen. Später nahm er eine hohe Dosis seiner Schmerzmittel und beruhigte sich etwas. Er schlief ein paar Stunden, und als er wieder wach wurde, war es mitten in der Nacht. Eigentlich wollte er weiterschlafen, aber seine Gedanken fingen sofort wie selbstständig an, um seine weitere Flucht zu kreisen. In Erbil lebten Geschwister seines Vaters. Schon kurz nach dem Beginn des Krieges 2011 hatte sein Vater einen größeren Dollarbetrag bei ihnen deponiert, um das Familienvermögen auf verschiedene Orte zu verteilen. Jetzt würde er dieses Geld abholen und es für seine weitere Flucht und den Aufbau einer neuen Existenz verwenden. Wahrscheinlich käme es um den konkreten Betrag, den sie ihm aushändigten, zu Verhandlungen. Aber er war optimistisch, dass sie sich einigen würden. Zugleich war er ständig dabei, sich in Gedanken dafür zu rechtfertigen, dass er nicht in Erbil bleiben wollte, obwohl die Bedrohungslage dort viel geringer war als in den letzten Jahren in Afrin. Sie könnten ihn im Salamati-Hospital sicher gut gebrauchen, und politisch aktiv könnte er dort auch sein. Aber er hatte jetzt mehrfach sein Leben für die kurdische Sache eingesetzt, und gestern war es sehr knapp gewesen. Er wollte nicht mehr, und er konnte nicht mehr. Er rechtfertigte die Entscheidung, sein Heimatland zu verlassen, damit, dass er aus dem Ausland möglicherweise sogar effektiver agieren könnte. Ohne ausländische Unterstützung, das war für ihn unbestreitbar, würde es niemals einen international anerkannten autonomen kurdischen Staat geben. Firaz wollte nach Deutschland, genauer: nach Saarbrücken. Dorthin war vor zwei Jahren sein Freund Saman aus Aleppo geflüchtet, als die Situation dort immer schwieriger wurde. Sein Freund hatte es geschafft. Er konnte in dieser deutschen Stadt seit kurzem seinem alten Beruf als Zahnarzt nachgehen und engagierte sich bei einer kurdischen Organisation. Saman hatte ihm wiederholt versprochen, dass er immer bei ihm unterkommen könne. Das war jetzt Firaz' Ziel, aber es war ziemlich weit, auch weil er Umwege einplanen musste. Er war dann doch noch einmal eingeschlafen, und als er erwachte und auf die Uhr schaute, war es vier Uhr. Er zog sich an, nahm seinen Rucksack und ging hinunter zur Rezeption. Auf sein Rufen hin erschien derselbe Mann wie am vorigen Morgen. Er nahm den Schlüssel ohne ein Wort entgegen und entließ Firaz mit einem Nicken. Firaz setzte sich in den Toyota und fuhr los, wieder einmal, ohne sich umzusehen. Bis Erbil waren es knappe 700 Kilometer. Der Grenzübergang von Syrien in den Irak bei Al-Yarubiyah könnte ein Problem bereiten. Er musste Augen und Ohren offen halten und rechnete mit zehn bis zwölf Stunden.

Wenn du interessiert bist, kannst du gerne an der weiteren Entwicklung des Romans teilhaben. Schicke mir dazu einfach eine E-Mail, ich sende dir dann die bislang vorhandenen Kapitel als pdf zu und freue mich auf deine Kommentare und Diskussionsbeiträge.

Über den Arbeitsfortschritt halte dich auf dem Laufenden. 

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